eActros 600
Von Alpenpässen und Anliefer-Rampen
Mit Massimo und Chris im Mercedes‑Benz eActros 600 bei Vögel Transporte unterwegs.
Es ist noch dunkel in Bludesch, als auf dem weitläufigen Hof von Vögel Transporte die ersten Silhouetten zu erkennen sind: Auflieger, Hallen – und drei auffällige Zugmaschinen. Die neuen Mercedes‑Benz eActros 600. Für Massimo und Chris sind sie längst mehr als nur „die Neuen im Fuhrpark“ – es sind ihre täglichen Arbeitsplätze und ein Stück Zukunft auf Rädern.
Morgens im „E-Dorf“ von Vögel
Die ersten Sonnenstrahlen des Tages glitzern mittlerweile auf den PV-Modulen auf den Hallendächern, direkt darunter die Ladesäulen, die über eine eigene 1,6-Megawatt-Trafostation mit Energie versorgt werden. Hier, wo eine Mittelspannungsleitung unter dem Firmengelände verläuft, hat Vögel in den letzten Jahren sein eigenes kleines „E-Dorf“ aufgebaut: Photovoltaik mit rund 950 kW Peak-Leistung, Ladeinfrastruktur für aktuell bis zu 15 E-Lkw, ausbaubar auf 30.
Für die Fahrer bedeutet das: Sie steigen morgens in ein Fahrzeug, das bereits mit Ökostrom aus der Region geladen wurde – und das perfekt für ihren jeweiligen Einsatz vorbereitet ist.
Massimo Rocco, der vor allem im internationalen Fernverkehr unterwegs ist, prüft kurz den Ladestand seines eActros 600, verstaut seine Tasche in der ProCabin und grinst: „Wenn ich hier morgens einsteige, ist alles bereit und bereits vorgeheizt. Kein Tanken, kein Dieselgeruch – einsteigen, Fahrstufe wählen, los geht’s.“
Nebenan macht Chris seinen eActros startklar. Er ist im regionalen Verteilerverkehr rund um den Stammsitz von Vögel Transporte in Bludesch in Vorarlberg unterwegs. Zahlreiche Stopps, viel Verkehr, enge Rampen – und für ihn ein ideales Revier, um zu zeigen, was ein Elektro-Lkw im Alltag kann.
Massimo: Leise durch die Berge bis nach Italien
Massimos bevorzugte Richtung: Süden. Touren in sein Heimatland gehören zum Alltag. Zwei Wochen war er bereits am Stück mit dem eActros 600 im Einsatz – inklusive Alpenpässen, dichtem Verkehr auf der Autobahn und langen Etappen mit bis zu 40 Tonnen Gesamtzuggewicht
„Die Rekuperation in den Bergen ist einfach genial. Am Ende siehst du, dass die Reichweite auch im realen Betrieb passt.“
„Die Rekuperation in den Bergen ist einfach genial“, erzählt er, während er sich auf der Autobahn Richtung Arlbergpass einordnet. „Früher hast du bergab ständig mit der Motorbremse oder dem Retarder gearbeitet. Jetzt sehe ich, wie die Batterie wieder Energie zurückbekommt. Du fährst entspannter – und lädst gleichzeitig Energie für den Rückweg in die Akkus.“ Ein besonders einprägsamer Moment: Eine Tour mit rund 600 Kilometern, am Ende kommt er mit nur noch drei Prozent Restladung zurück auf den Hof in Bludesch. Für Massimo ein echter Praxistest: „Da merkst du, was der eActros wirklich draufhat. Du planst gut, nutzt jede Möglichkeit zum Zwischenladen – und am Ende siehst du, dass die Reichweite auch im realen Betrieb passt.“
Möglich machen das drei Batteriepakete mit insgesamt 621 kWh installierter Kapazität und die neue elektrische Antriebsachse von Mercedes‑Benz Trucks. Unter realistischen Einsatzbedingungen sind rund 500 Kilometer ohne Zwischenladen drin – mit cleverem Einsatz von Rekuperation und Ladepausen oft auch mehr. Für Massimo heißt das: komplette Tagesetappen wie bei einem Verbrenner sind mit Zwischenladungen während der gesetzlich vorgeschriebenen Pausen möglich. Und das lokal CO₂-frei.
Chris: Elektrische Power im Nahverkehr
Während Massimo Richtung Süden rollt, taucht Chris bereits in den regionalen Verkehr rund um Bludesch ein. Seine Route führt ihn zu Kunden im Umkreis von maximal 100 Kilometern. Sein Hauptgeschäft ist die Just-in-Time-Belieferung eines benachbarten Getränkedosen Herstellers. Coils rein, Coils raus, enge Ortsdurchfahrten und schmale Anlieferungssituation prägen seinen Tag. „Ich fahre den eActros jetzt seit ein paar Wochen im Nahverkehr“, erzählt er während einer kurzen Entlade-Pause auf dem Hof eines Kunden.
„Der Komfort ist top – und über die Leistung brauchen wir gar nicht reden. Der Unterschied zum Diesel ist enorm.“
An der Ampel beschleunigt der eActros 600 gleichmäßig und kraftvoll, ohne Schaltvorgänge, ohne Verzögerung: „Du hast sofort Drehmoment. Gerade beim Anfahren mit voller Ladung oder an Rampen ist das eine Wohltat. Und weil er leiser ist, ist der ganze Arbeitstag entspannter – für mich und für die Leute um mich herum.“ Auch im Verteilerverkehr spielt die Rekuperation ihre Stärken aus: Jede Verzögerung, jede Abfahrt wird genutzt, um Energie zurück in die Batterie zu bringen. Für Chris ist das mittlerweile ein Teil seines Fahrstils geworden: „Du fängst an, vorauszuplanen – noch mehr als früher. Wer vorausschauend fährt, lädt quasi ständig nebenbei nach.“
Zuhause in der ProCabin
Ein Thema, das beide Fahrer sofort ansprechen, wenn es um den eActros 600 geht: die neue ProCabin. Das Design polarisiert – aber im Fahreralltag überzeugt sie.
Massimo, der oft mehrere Tage am Stück unterwegs ist, nutzt die Kabine als zweite Wohnung auf Zeit: „Die Kabine bietet mit ihrem SoloStar Konzept richtig viel Platz für den Feierabend. Genug Stauraum, bequeme Liege, gut durchdachtes Cockpit. Du merkst, dass hier jemand mitgedacht hat, der weiß, was wir Fahrer brauchen – bis hin zur lautlosen Standheizung.“ Das volldigitale Cockpit, klare Menüführung, Assistenzsysteme – all das erleichtert den Alltag.
Chris, der häufiger ein- und aussteigen muss, schätzt die Kombination aus Komfort und Übersicht: „Du sitzt super, hast alles im Blick und kommst nach einem langen Tag trotzdem relativ entspannt nach Hause. Das macht einen großen Unterschied.“
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Tradition trifft Transformation
Dass gerade Vögel Transporte zu den ersten Unternehmen in Vorarlberg gehört, die den eActros 600 im Alltag einsetzen, ist kein Zufall. Seit 1961 hat sich der Familienbetrieb vom regionalen Holztransporteur zum internationalen Logistikdienstleister entwickelt – mit rund 240 Mitarbeitenden, etwa 180 eigenen Lkw und Standorten in Österreich, Deutschland, Italien und Liechtenstein. Geschäftsführer Stefan Vögel beschreibt den aktuellen Schritt so:
„Wir haben unsere Verbrenner-Flotte komplett auf HVO 100 umgestellt und gehen mit den drei eActros 600 jetzt konsequent weiter in Richtung nachhaltige Transporte.“
Die drei E-Lkw sind fest in den täglichen Betrieb integriert – tagsüber im Nahverkehr, abends und nachts im Begegnungsverkehr auf längeren Strecken. Für Vögel ist das kein Showprojekt, sondern gelebter Alltag.
Unterstützung bekommt das Unternehmen von Daimler Truck Austria und dem lokalen Partner Schneider Automobil GmbH, die die ersten eActros 600 an Vögel ausgeliefert haben. Die Erfahrungen aus dem Betrieb fließen direkt zurück – wertvolles Praxiswissen, das bei der weiteren Verbreitung elektrisch betriebener Lkw hilft.
Ein Blick nach vorn: Ländle Truck Show 2026
2026 wird ein besonderes Jahr für Vögel Transporte: Das Unternehmen feiert sein 65-jähriges Bestehen – und öffnet am 20. und 21. Juni das Firmengelände für die Ländle Truck Show.
Zwischen Showtrucks, Klassikern und modernsten Nutzfahrzeugen werden dann auch die eActros 600 von Vögel im Rampenlicht stehen. Besucherinnen und Besucher können die Fahrzeuge aus nächster Nähe erleben – inklusive Blick auf die umfangreiche Lade- und PV-Infrastruktur, mit der Vögel seinen Weg in Richtung nachhaltige Logistik konsequent weitergeht.
Massimo freut sich schon jetzt auf die Reaktionen der Kolleginnen und Kollegen aus der Branche: „Viele sind neugierig, manche skeptisch. Aber sobald sie mal mitfahren oder wenigstens drinsitzen, ändert sich oft etwas im Kopf.“
Chris sieht das ähnlich: „Am Ende zählt, was der Lkw im Alltag kann. Und der eActros 600 zeigt uns jeden Tag, dass Elektro im schweren Verteiler- und Fernverkehr nicht Zukunftsmusik ist, sondern Gegenwart.“
Zwischen Alpen, Autobahn und Anliefer-Rampe schreiben Massimo und Chris bei Vögel Transporte mit ihren Mercedes‑Benz eActros 600 jeden Tag ein weiteres Kapitel im Fahrtenbuch nachhaltigen Straßengüterverkehrs.
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