Kilometermillionär
Vom Milchbauern zum Lkw-Fahrer
Eigentlich wollte Horst Irsch Landwirt werden, macht sogar seinen Meister in diesem Beruf, doch mit der Grenzöffnung 1989 läuft es nicht mehr gut mit dem Viehhandel und dem Hof des Schwiegervaters, bei dem Horst angestellt ist.
Ein Bekannter bei der Milchunion Hocheifel machte ihm den Vorschlag, als Milchtankwagenfahrer zu arbeiten. Dieser Beruf wird zu Horsts Leidenschaft und so macht er sich 1999 mit einer mutigen Investition in einen Truck selbständig. "Es waren fast 400.000 Mark, die ich auf eine Karte gesetzt habe. Zum Glück hat es funktioniert!", blickt er zurück.
Heute führt der Vater von drei Kindern einen erfolgreichen Familienbetrieb in Neuerburg in der Eifel, nahe der luxemburgischen Grenze. „Ohne den Rückhalt meiner Frau wäre das alles gar nicht möglich gewesen, sie hat sich zu Hause um alles gekümmert, wenn ich unterwegs war“, sagt er mit viel Dankbarkeit.
Der technische Fortschritt im Transport
„Wir fahren ausschließlich Mercedes-Benz Actros, vom ersten bis zum neuesten Modell“, erklärt er stolz. Horst selber hat schon über zwei Millionen Kilometer in den Milchtrucks zurückgelegt. Alle Betriebsfahrzeuge der 25-jährigen Firmengeschichte bringen knapp viereinhalb Millionen Kilometer zusammen. Und das, obwohl die meisten Touren direkt vor der Haustür stattfinden, in einem maximalen Radius von 100 Kilometern.
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Ein Leben für die Milch
Horst hofft, dass er mit 80 noch zu den Landwirten fahren kann, denn das Fahren macht ihm Spaß und die meisten Landwirte sind für ihn nicht nur Auftraggeber, sondern Freunde. Man kennt sich teilweise seit der Schulzeit und erlebt den Generationenwandel auf den Höfen mit. „Außer dem Briefträger kommt keiner so oft auf den Hof wie wir Milchfahrer“, lacht Irsch.
Es sind die kleinen Gesten, die diesen Beruf für ihn zu etwas Besonderem machen. Die gemeinsame Freude und ein Stück Kuchen, wenn in einem Betrieb ein Kind auf die Welt gekommen ist oder eine Einladung zum Polterabend. „Dann merkst du, dass du irgendwie dazu gehörst“, erzählt Horst gerührt.
Unvergessliche Erlebnisse auf der Straße
Doch es sind nicht nur die schönen Momente, die in Erinnerung bleiben. „Die größten Herausforderungen waren oft die Winterbedingungen, wenn man durch Schneewehen fahren musste“, erzählt Horst von einem besonders herausfordernden Heiligabend. Mit zwei Lkw waren sie da unterwegs, der vordere Truck mit Schneeketten, damit es überhaupt zu den Höfen ging.
Auf der Rückfahrt, nur eine Stunde später, war von den erstmals hinterlassenen Spuren der Lkw absolut nichts mehr zu sehen. „Irgendwie ging es aber immer“, sagt Irsch nachdenklich. Zur Not werden 60 Kilometer Umweg in Kauf genommen, wenn wegen Hochwasser die Brücken und Straßen gesperrt sind.
Ausgleich auf dem Traktor
In seiner Freizeit kehrt der Kilometermillionär gern in seinen alten Beruf zurück und hilft auf dem landwirtschaftlichen Betrieb seines Sohnes mit. Horst und sein Sohn tauschen dann die Rollen, der Landwirt fährt den Milch-Tankwagen und der Lkw-Fahrer einen Traktor.
Das ist für Horst die pure Entspannung. „Wenn ich den ganzen Tag auf dem Traktor sitze, kann ich richtig gut abschalten. Ich kann den Betrieb Betrieb sein lassen und zurück in meine alte Welt eintauchen“, erklärt der gelernte Landwirtschaftsmeister.
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